Samstag, 21. Mai 2022

Realbrandausbildung 2021

Am Samstag, dem 17.07.2021, waren die Feuerwehren der Stadt Flörsheim bei einem Realbrandbekämpfungsseminar in Kühlsheim bei der IFRT GmbH (International Fire and Rescue Training GmbH). Das IFRT bietet am Standort Kühlsheim verschiedene Seminare an. Alle praktischen Ausbildungseinheiten erfolgen in umgebauten Hochseecontainern, die ein- oder mehrstöckige Wohnobjekte darstellen sollen. In jedem der fiktiven Objekte gibt es eine Brandkammer, die mit Paletten befeuert wird.

Wir starteten unseren Tag um 05:45 Uhr gemeinsam an der Feuerwehrwache in Flörsheim. Die gesamte Persönliche Schutzausrüstung (PSA), bestehend aus Brandschutzkleidung, Stiefel, Helm, Handschuhe & Flammschutzhaube wurde eingepackt. Es wurde extra noch ein zweiter Satz Klamotten mitgenommen. Nach kurzer Ansprache fuhren wir gesammelt nach Kühlsheim, wo es um 08:00 Uhr mit kleinem Frühstück begann. Im Anschluss gab es eine kurze theoretische Einführung, wichtige Grundlagen der Brandbekämpfung und der verschiedenen Entwicklungen eines Brandes. Außerdem gab es eine Führung auf dem Gelände, sowie dem Aufenthaltsgebäude. Hier wurde das Hygienekonzept hinsichtlich COVID-19 vorgestellt. Eine Unterweisung in Einsatzstellenhygiene gab es auch noch. Denn gerade die Einsatzhygiene wird bei den Feuerwehren immer wichtiger. Es gab eine strikte „Schwarz-Weiß-Trennung“, wobei der Schwarzbereich für kontaminierte PSA genutzt wird und der Weißbereich für saubere Kleidung.

Während des gesamten Tages galt selbstverständlich, solange kein Atemschutz getragen wurde und nicht ausreichender Abstand gewahrt werden konnte, die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung! Ebenfalls wurden alle Brandsimulationen überwacht und unter Sicherheitsvorkehrungen unternommen.

Im Anschluss an die kurze Theorie durften wir unsere PSA anziehen, mit der wir dann das Trainingsgelände betreten haben. Hier starteten wir zunächst mit dem Zusammenbau unseres umluftunabhängigen Atemschutzgerätes. Wir erhielten ein Flamm- und Hitzeschutzponcho, welchen wir zusätzlich über der Kleidung trugen, um diese zu schützen.

Vollständig ausgerüstet ging es dann zur praktischen Ausbildung. Wir versammelten uns in einem Container und setzten uns an den beiden Seiten gegenüber. Wieso wir uns setzten? Ganz simpel, ein Grundsatz im Innenangriff ist der Kriechgang, weil Hitze und Rauchgase nach oben steigen.
Es wurde in der Brandkammer ein Entstehungsbrand fingiert, den wir im weiteren Verlauf bis zum Vollbrand beobachteten.

Von der dabei entstehenden thermischen Wärmebelastung abgesehen, wurde der Rauch immer dichter und dunkler. Im Zuge der Brandausbreitung sind wir immer wieder aufgestanden, um die Sicht- und Temperaturbedingungen zu kontrollieren. Ab und zu haben wir auch unsere Handschuhe ausgezogen um den Temperaturunterschied am Boden und an der Decke zu fühlen. Hierbei wurde verdeutlicht, welche Schutzwirkung unsere PSA hat.


Die erste Übung war beendet, nachdem sich der gesamte Container mit Rauchgasen gefüllt hat. Wir nennen das „Nullsicht“, also wenn der Raum aufgrund der Rauchbelastung absolut abgedunkelt ist. Hierbei kommt gefühlt die „Decke“ immer näher und reduziert die Größe des Raumes erheblich. Ein ungewohntes und beklemmendes Gefühl. Im weiteren Verlauf provozierten die Trainer kontrollierte Rauchgasdurchzündungen. Dazu wurde die Brandkammer geschlossen, sodass sich der Rauch beim Öffnen der Brandkammer, aufgrund der schlagartigen Sauerstoffzuführung, entzündet und sich wellenartig an der Decke entlang hangelt.

Weiterhin wurde trainiert wie wir eine solche Situation verhindern können, nämlich mit vorheriger Kühlung der Rauchgase. Durch die vorausgehende Kühlung nimmt man dem Feuer eine wichtige Komponente, die Zündtemperatur. Gekühlt wird im Löscheinsatz überwiegend mit Wasser. Wir haben also im Training mit feinstem Nebel eines Hohlstrahlrohres die vorhandenen Rauchgase so erheblich heruntergekühlt, dass beim Öffnen der Brandkammer keine Durchzündung entstehen konnte. Zwischen den Durchgängen in den Containern konnten wir uns an neuen Strahlrohrtechniken versuchen. Hierbei lag der Fokus auf der schnellen Einstellung des Strahlrohrs für diverse Situationen. Für perfekte Trainingsergebnisse wurden auf eine Mauer Kreise und Linien in verschiedenen Größen gemalt. Diese sollten dann nacheinander mit der entsprechenden Einstellung des Strahlrohrs nachgefahren werden.

Der letzte Ausbildungsabschnitt war eine Realübung im fiktiven Wohnobjekt. Ein gemeldeter Garagenbrand mit einer vermissten Person. Die Lage wurde immer Truppweise abgearbeitet, also mit zwei Personen. Beim Betreten der Räumlichkeiten war die Sicht aufgrund des Rauches bereits erheblich eingeschränkt. Zusätzlich musste der Schlauch regelmäßig nachgezogen werden, sodass wir am Brandherd die Möglichkeit haben zu löschen. Nach erfolgreicher Absuche der Räumlichkeiten, bei der keine Person gefunden wurde, konnten wir uns dem eigentlichen Feuer widmen. Nach abgeschlossener Brandbekämpfung war die Übung beendet und wurde mit dem jeweiligen Trainer nachbesprochen.

Nun hieß es Abrödeln: Die Atemschutzgeräte auseinander bauen und zurückgeben. Im Schwarzbereich haben wir die PSA hygienisch eingepackt, sodass wir sie wieder zurück nach Flörsheim transportieren konnten. Dann ging es zur wohlverdienten Dusche. Auch hier wurde strikt auf die Wahrung der Corona-Vorschriften, sowie der Inhalte aus dem Maßnahmen- und Hygieneplan der Feuerwehren der Stadt Flörsheim geachtet. Das Seminar endete mit einer kurzen Nachbesprechung und wir traten wieder den Heimweg an.

Zusammenfassend war es ein sehr lehrreiches Seminar, aus dem alle Feuerwehrangehörigen einiges mitnehmen konnten. Aufgrund der praktischen Ausführung über den gesamten Tag prägten sich viele Dinge erheblich besser ein, als in reiner Theorie. Die Feuerwehren der Stadt Flörsheim am Main bedanken sich bei den Teilnehmern, sowie dem Team der IFRT für den interessanten, anstrengenden und lehrreichen Tag.

Text: MH / MM FF Flörsheim-Wicker

Bilder: PM FF Flörsheim am Main

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